Heterogene Populationen

Vielfalt für stabile Getreideanbausyteme und starke Wertschöpfungsketten

Heterogene
Populationen sind Anders !

Vielfalt für eine zukunftsfähige Landwirtschaft

Saatgutrecht und
Heterogene
Populationen

Aus besonderem Weizen wird besonderes Brot

Heterogene Populationen sind Anders !

Im Gegensatz zu einer klassischen Liniensorte mit eng definiertem Züchtungsziel zeichnen sich heterogene Populationen durch Vielfalt in ihren Eigenschaften und im Erscheinungsbild aus. Ein Blick auf ein Feld mit Populationsweizen macht den Unterschied sofort sichtbar: Statt einheitlicher Individuen sehen wir Weizenpflanzen unterschiedlichster Gestalt, Wuchshöhe und Ährenform – mal begrannt mal unbegrannt. Was sind der Ursprung und die Begründung für diese Vielfalt?

Heterogene Populationen sind Ergebnis eines innovativen Züchtungsansatzes mit dem Ziel einen gleichermaßen leistungssstarken wie widerstandsfähigen Pflanzenbestand zu erreichen. Als Synonyme sind auch „moderne Landrassen“, MAGIC Populationen („Multiparental Advanced Generation Inter-Cross“)“, Evolutionsramsche“ oder CCP’s (für „Composite Cross Populationen“) in Gebrauch.

Heterogene Populationen sind nicht einfach Sortenmischungen. Populationen basieren auf der gezielten Durchkreuzung mehrerer (mindestens 5) moderner Hochleistungsorten. Diese Elternsorten zeichnen sich durch hohe Ertragsfähigkeit und gute Qualitätseigenschaften aus. Diese Eigenschaften geben sie an ihre Nachkommen weiter. Aber nicht nur das: Dank der durch die Durchkreuzung entstandenen genetischen Vielfalt kann der Populationsweizen auf unterschiedliche Umwelteinflüsse viel dynamischer reagieren als eine Liniensorte. Dies ist vor allem in der ökologischen Landwirtschaft wichtig, da das Getreide sobald es auf dem Acker wächst, weitestgehend sich selber überlassen ist. Bei einem kritischen Befall mit Schadorganismen gibt es kaum Interventionsmöglichkeiten, da chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel nicht in Frage kommen.

Winterweizensorte Aristaro
Weizensorte Aristaro, Foto: Christophe Albig
heterogene Weizenpopulation Brandex

Vielfalt für eine zukunftsfähige Landwirtschaft

Warum brauchen wir heterogene Populationen? Unsere Landwirtschaft steht aktuell vor großen Herausforderungen: Eine wachsende Weltbevölkerung will ernährt werden, während wir gleichzeitig vor der Notwendigkeit stehen, die Landwirtschaft umwelt- und ressourcenschonender zu gestalten, den Verlust der Biodiversität in der Landwirtschaft aufzuhalten sowie die Folgen des Klimawandels möglichst abzupuffern. Was zunächst unvereinbar klingt ist möglich wenn wir uns die Vielfalt zu Nutze machen.

Vorteile und Notwendigkeit von Vielfalt im Ackerbau ist nicht wirklich neu: Wir nutzen sie in unseren Fruchtfolgesystemen, beim Zwischenfruchtanbau und sind uns der Bedeutung eines vielfältigen Bodenlebens für die Bodenfruchtbarkeit bewusst. Überall dort finden sich positive Beziehungen zwischen Vielfalt und Stabilität sowie Produktivität von Agrarsystemen. Seit langem ist außerdem bekannt, dass Arten- und Sortengemenge sich positiv auf die Pflanzengesundheit, die Stabilität und Sicherheit der Erträge auswirken. Nun wollen wir die Vorteile der Vielfalt in Form von Winterweizenpopulationen nicht nur auf den Acker holen, sondern die gesamte Wertschöpfungskette zur Verarbeitung von Populationsgetreide anregen.

Die Forschungsergebnisse der letzten Jahre haben gezeigt, dass moderne Populationen bei der Ertragsfähigkeit und der Qualität mit modernen Hochleistungssorten konkurrieren können. Aber heterogene Populationen können noch viel mehr!

Die Vorteile der genetischen Vielfalt, die heterogenen Populationen zu Grunde liegt, liegen auf der Hand. Innerhalb des Pflanzenbestandes unterscheiden sich alle Einzelpflanzen etwas voneinander. Während einige Pflanzen mit Trockenheit gut umgehen können, halten andere einem hohen Druck verschiedener Schaderreger stand, einige haben hohe Ansprüche an die Bodenqualität andere sind Ernährungsspezialisten. Jede Pflanze zeigt andere Varianten von Eigenschaftskombinationen, die sich unter den jeweiligen Bedingungen des Standortes und Anbaujahres als Stärken oder Schwächen zeigen. Die Individuen im Bestand können sich dadurch in ihren Eigenschaften ergänzen und falls notwendig auch ausgleichen. Anders als Liniensorten, die durch ihre genetische Einförmigkeit nahezu identisch reagieren, sind Populationen daher in der Lage Stress – verursacht beispielsweise durch Wetterextreme oder durch einen Krankheitsbefall – besser zu puffern und so Ertragsausfälle zu reduzieren. Die Anpassungsfähigkeit von Populationen, ihre Fähigkeit auf Umwelteinflüsse flexibel zu reagieren, ist von besonderer Bedeutung da der Klimawandel schwer zu kalkulierende Klimaextreme hervorbringt, die zu starkem Stress bei den Pflanzen führen. Eine gezielte Pflanzenzüchtung auf beispielsweise verstärkte Hitze- und Trockenheitstoleranz kann das Risiko von Ertragsausfällen daher nicht nachhaltig abfangen. Wir benötigen eine hohe genetische Vielfalt in unseren landwirtschaftlichen Systemen – für eine bessere Anpassungsfähigkeit an sich verändernde Umweltbedingungen

Heterogene Populationen haben einen weiteren Vorteil: Sie sind nachbaufähig und passen sich bei kontinuierlicher Vermehrung in einer Region an deren Besonderheiten an und entwickeln sich am Standort weiter. Heterogene Populationen können so potentiell zu regionalen „Hofsorten“ werden was Chancen für die Vermarktung eröffnen kann. In Kooperation mit weiterverarbeitenden Handwerksbetrieben können aus Populationsgetreiden einzigartige Produkte entstehen.

Saatgutrecht und Heterogene Populationen

Unsere Landwirtschaft braucht ökologische Innovationen. Dies hat auch die EU erkannt und gemäß der Richtlinie 2014/150/EU den Anbau und die Vermarktung heterogener Populationen zeitlich befristet bis zum 28.02.2021 ermöglicht. Diese Regelung gilt für Populationen der Arten Hafer, Gerste, Weizen und Mais.

Die Befristung der Zulassung hat jedoch eine Rechtsunsicherheit für die Landwirtschaft, die Verarbeitung und Vermarktung mit sich gebracht. So wurde in den letzten Jahren viel zu Populationen geforscht. In der Praxis konnten sich Weizenpopulationen dennoch trotz nachgewiesener guter Backeigenschaften und Ertragserwartungen bisher nicht durchsetzen.

Dies wird sich mit der neuen EU-Ökoverordnung hoffentlich ändern: Mit In-Kraft treten am 01.01.2022 erhalten Populationen bei allen Kulturen eine dauerhafte Zulassung.

Aus besonderem Weizen wird besonderes Brot

Heterogene Populationen haben gezeigt, dass sie sich nicht nur im Anbau bewähren. Sie sind auch Grundlage einzigartiger handwerklicher Backerzeugnisse die Appetit auf Weizenvielfalt machen. Einige Beispiele von Initiativen und Projekten die heterogene Populationen verarbeiten finden Sie hier:

Small Food Bakery

Wakelyn´s Bakery

Brot mit Terroir – Appetit auf Weizenvielfalt vom Acker bis zur Ladentheke